Sonntag, 15. Juli 2012

Hamburgs bekannter Kriminalfall: Fritz Honka


Am 17. Juli 1975 brach in der Zeißstraße 34, Ottensen ein Feuer aus. Der Bewohner des 2. Stockwerks schlief bei Kerzenlicht ein und bemerkte erst viel zu spät, dass das dadurch ein Brand in der Wohnung und im kompletten Haus ausgelöst wurde. (wiki)

Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:1194Wohnhaus_Fritz_Honka.JPG&filetimestamp=20110211212956

Die Feuerwehrleute löschten auch auf dem Dachboden kleinere Brandherde, was sich als glücklicher Zufall erweisen sollte, denn so entging den Männern nicht, dass dort starker Verwesungsgeruch selbst den Geruch verbrannter Dachbalken überlagerte. Sie suchten nach der Ursache und fanden Leichenteile in Plastiktüten versteckt. Auch aus der anliegenden Mansardenwohnung des damaligen Nachtwächters Fritz Honka, der Sicherheitsfirma Shell, drang intensiver Verwesungsgeruch. Die Wohnung wurde in Abwesenheit Honkas durchsucht. Zunächst wurden die Polizeibeamten auf das Offensichtliche aufmerksam: mehrere Kinderpuppen in der Wohnung verteilt, an den Wänden unzählige pornographische Bilder, Frauenkleider und Schuhe in unterschiedlichen Größen und eine Gummipuppe.Doch nach und nach konnten dann Leichenteile von vier Frauen sichergestellt werden. Darunter befand sich auch der Torso von G. Bräuer, deren andere Körperteile bereits einige Jahre zuvor auf dem Grundstück des 300 Meter entfernten Geländes der ehemaligen Schokoladenfabrik „Holsatia“ gefunden wurde. (locke67)

Nach seiner Schicht kam Honka schließlich zu seiner Wohnung zurück, die immernoch von der Polizei untersucht wurde. Er wurde zum Polizeipräsidium Berliner Tor gebracht, in dem ein langes und zähes Verhör begann. Stundenlang leugnete Honka seine Taten und verärgerte die Mordkommission mit ausweichenden Phrasen. Um ihn zum Sprechen zu bewegen, wurde er in der Gerichtsmedizin mit seinen 4 Opfern konfrontiert:

  • Gertraud Bräuer, Friseurin, gestorben 1970
  • Anna Beuschel, Hausfrau, gestorben 1974.
  • Frieda Roblick, Prostituierte, gestorben 1974.
  • Ruth Schult, Prostituierte, gestorben 1975.

Quelle: http://www.n24.de/media/_fotos/bildergalerien/002011/schlimmsteserienmrder/Opfe-von-Fritz-Honka-AP.jpg


Doch erst 13 Tage nach seiner Festnahme begann er über die Taten zu sprechen. Anfangs versuchte Honka noch Ausflüchte zu finden, wie die, dass Jack the Ripper im befohlen hätte, die Taten zu begehen, aber der anwesende Polizeibeamte konnte ihn schnell davon überzeugen, nicht weiter diese Richtung einzuschlagen. (Spiegel)

Er leugnete nicht mehr, dass er die vier Frauen umgebracht hatte. Als Auslöser gab er zu, dass jede dieser Frauen nicht seinen Vorstellungen entsprach. Er wurde bestohlen, ausgelacht und geschlagen. All das sollen die Auslöser der Taten gewesen sein. Honka erdrosselte die vier Frauen und zerstückelte sie anschließend. Details über seine Beziehungen zu ihnen gab er jedoch nicht weiter preis. Die Polizei konnte nun diesen Fall bis zum anstehenden Prozess ad acta legen, da der dringend Tatverdächtige festgenommen war. (Spiegel)

Drei Wochen vor Prozessbeginn, wurde der Verteidiger Honkas vom Star-Rechsanwalt Bossi abgelöst. Gerüchteweise hieß es, dass es kein Zufall war, dass Bossi diesen medienträchtigen Fall übernehmen konnte. Honkas Sohn soll Geld erhalten haben, um seinen Vater zu überzeugen, Bossi die Verteidigung zu überlassen. (Spiegel)  

Bossi plädiert erst auf Schuldunfähigkeit nach Paragraph 20des Strafgesetzbuchs, dann auf verminderte Schuldfähigkeit nach Paragraph 21. Es ist der soziale Verfall Honkas, der im Mittelpunkt der Verhandlung steht. Aufgewachsen in unterschiedlichen Heimen, in die seine Mutter ihn und seine Geschwister gebracht hat, bestand sofort kein Kontakt zu seiner Familie. Er konnte keinen Schulabschluss vorweisen und seine Maurerlehre musste er aus gesundheitlichen Gründen abbrechen. Bei seiner Flucht in den Westen hatte er einen schweren Unfall, durch den er einen Augenschaden erlitt und seither mit einer etwas entstellte Nase leben musste. In Hamburg lernte er seine Frau Inge kennen, mit der einen Sohn zeugte. Schlussendlich ging die Ehe aufgrund des hohen Alkoholkonsums beider und dessen Folgen in die Brüche. Danach lebte Honka immer wieder längere Zeit mit Prostituierten und sozial auffälligen Frauen zusammen. Ab den 50-Jahren häuften sich soagar Anzeigen wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, Diebstahl- und Bagatelldelikten.
In seiner Freizeit verbrachte er viele Stunden auf dem Kiez. Dauergast war er in Schlagerkneipe „Zum Goldenen Handschuh“, in der er auch unter anderem seine Opfer kennenlernte. Es waren einfache Frauen und Prostituierte zwischen 50ig und 60ig Jahren, die er ansprach und mit nach Hause nahm. (Zeit)

Quelle: http://a3.ec-images.myspacecdn.com/images01/74/ed4ca8c624f3bf90c390020476f73cd2/l.jpg

Quelle: http://a3.ec-images.myspacecdn.com/images01/56/6f57750b88d75c8f6443ff2fac080d3f/l.jpg

Bossi stellte Honka als zerstörten Menschen dar, der höchst abnorm gelten muss, ausgelöst durch den Alkoholmissbrauch mit organischen Schäden. Eine Persönlichkeitsverwahrlosung durch sozialen Rückzug, anonymisierte Orte und der Aufenthalt im untersten Milieu der Stadt, dienten als Argumente für die verminderte Schuldfähigkeit. Schlussendlich warf Bossi noch ein weiteres Stichwort in die Verhandlung: deviante Sexualität bis hin zur Nekrophilie. Die leicht abweichende Sexualität und eine nekrophil sadistische Raserei, die zur Zerstückelung der Leichen führen solle, untermauerte die Argumente, die Honka als schwer seelisch abartig darstellten. (Zeit)(bvdn)

Quelle: http://www.n24.de/media/_fotos/bildergalerien/002011/schlimmsteserienmrder/Fritz-Honka-P.jpg

Das Urteil sollte schlussendlich tatsächlich zu Gunsten Honkas ausfallen. Bossi hatte das Strafgericht von Honkas verminderter Schuldfähigkeit überzeugt, so dass der häufig als Serienmörder eingestufte Honka wegen eines Mordes und dreifachen Totschlags zur Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt mit anschließender Haft von 15 Jahren verurteilt wurde. (Zeit)

Quelle: http://a4.ec-images.myspacecdn.com/images02/134/229a9c2684464f5087576b0c071278cb/l.jpg

In der Boulevardpresse wurde er als Triebtäter mit den Schaufelhänden charakterisiert, der Blaubart aus St. Pauli. Die Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“ wurde nur noch die Honka-Stube genannt. Es wurde sogar von der Plattenfirma RCA ein Schlagerhit mit dem Namen „Gern hab ich die Fraun zersägt“ herausgebracht, der von einem bis dahin unbekannten Harry Horror gesungen wurde. Später nahm die Firma aber Abstand von dieser Produktion. (locke67)

Quelle: http://3.static-hood.de/img1/big/2783/27830502.jpg


Nach dieser öffentlichen Ausschlachtung war die Geschichte des Frauenmörders aus der Presse wieder verschwunden. 

1993 wurde Honka aufgrund einer schweren Erkrankung begnadigt und aus der Psychatrie Hamburg Ochsenzoll entlassen. Seine letzten Jahre verbrachte er unter dem Namen „Peter Jensen“ in einem Altenheim in Scharbeutz unerkannt bis er im Oktober 1998 starb. (Zeit)

Eine Dokumentation ist auf Youtube zu diesem Thema zu sehen:


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen